15 Jahre Kieferorthopädie und jetzt Gelenkschmerz mit eingeschränkter Mundöffnung

Frage von Frau S.:

Sehr geehrter Dr. Weber,

ich bin seit meinem 9. Lebensjahr in kieferorthopädischer Behandlung; mit rund 2-3 Jahren Pause. Nun bin ich 24 Jahre alt.
Behandelt wurde ich zunächst wegen Überbiss und Zahnschiefstellung. Diese 1. Behandlung wurde mit Vollendung meines 18. Lebensjahres abgeschlossen. ( mehrere lose Zahnspangen, feste Zahnspange mit Außenspange, lose Zahnspange). Während der Behandlung wurden auch alle Weisheitszähne gezogen.
Nach ca. 2 oder 3 Jahren musste ich eine 2. Behandlung in Anspruch nehmen, da sich meine Zähne so weit verschoben hatten, dass ich nicht mehr richtig zubeißen konnte. Die Schneidezähne wurden durch meine nicht korrekte Schluckweise nach vorne geschoben.
Daraus folgten Besuche beim Logopäden. Nach der logopädischen Behandlung, setzte man mir zunächst eine feste Zahnspange ein und danach transluzente Plastikschienen. Nachdem ich 2-3 Wochen diese Plastikschienen getragen hatte, machte sich mein Kiefergelenk bemerkbar. Es knackte beim auf und zumachen, irgendwann fingen auch die Schmerzen an und mein Kiefer hatte sich „verhakt“. Ich konnte für kurze Zeit meinen Kiefer nicht schließen.
Leider war ich zu diesem Zeitpunkt im Ausland und würde erst in einem halben Jahr einen Termin bei meinem Kieferorthopäden wahrnehmen können.
Nach einem Telefonat mit meinem Kieferorthopäden, riet er mir die Plastikschienen nicht mehr zu tragen.
Leider wurde es danach auch nicht besser.
Wieder in Deutschland wurde ich vom Kieferorthopäden zu einem Kieferchirurgen geschickt. Zunächst bekam ich eine lose Plastikschiene, um das Kiefergelenk zu entlasten. Sie hat aber leider nicht geholfen.
Daraufhin wurde ein MRT veranlasst.
Der dortige Arzt stellte fest, dass eines meiner Kiefergelenke nicht richtig in der Kieferpfanne liegt und dass mein Kiefergelenk an dieser Stelle das einer 70 Jährigen wäre.
Der Kieferchirurg fertigte mir daraufhin eine neue, aber ähnliche Schiene wie vorher an.
Diese trage ich nun schon länger als ein viertel Jahr und erst dachte ich, es würde besser, aber seit kurzen schmerzt mir auch mein linkes Kiefergelenk und das Knacken ist immer noch da. Wenn ich die Hand unter mein rechtes Ohr halte und meinen Mund öffne und schließe merke ich wie das Gelenk „rausspringt?“ ( es bewegt sich nach rechts und knackt).

So langsam bin ich am verzweifeln. Man steckt soviel Zeit und Geld in die Behandlungen und das erwünschte Ergebnis lässt immernoch auf sich warten.

Ich hoffe Sie können mir weiterhelfen.
Mit freundlichen Grüßen

Antwort Dr. Weber:
Liebe Frau S.,
Sicher können wir Ihnen die Zeit nicht wiedergeben, die Sie in jahrelange Behandlung gesteckt haben.
Sicher überlagern sich bei Ihnen drei große Problemkreise: zunächst ist Ihre Zahn- und Kieferfehlstellung zu nennen, hier ist es natürlich unmöglich nach der jahrelangen Behandlung etwas über Ausgang, Verlauf und Ziel der Behandlung zu sagen ohne Unterlagen gesehen zu haben. Schade ist es natürlich, wenn nach einer so langen Behandlungszeit das Ergebnis nicht stabil bleiben will. Wichtig ist hier die sogenannte Retentions- oder Nachsorgephase. Vielleicht muß hier nach der laufenden Behandlung länger aufgepaßt werden.
Der zweite Problemkreis sind Ihre Kiefergelenke. Leider wird danach trotz einfacher Möglichkeiten heute immer noch viel zu wenig geschaut. Daher werden wir in Ihrem Fall zwar, wie durch den Kieferchirurgen sinnvoller Weise durchgeführt, im MRT den jetzigen Ist-Zustand feststellen können. Allerdings ist es unmöglich zu erfahren, woraus sich dieser Zustand der Gelenke entwickelt hat und ob diese Entwicklung vermeidbar gewesen wäre. Dazu hätte man eine Voruntersuchung vor den ersten Zahnspangen machen müssen. Da dies ja scheinbar nie gemacht wurde, stellt sich die Frage nach Ursache und Wirkung, womit wir beim dritten Problemkreis wären.
Wie hängen Ihre Probleme zusammen? Ist das schlechte Gelenkgefühl Folge von Fehlbiß und vielleicht auch Folge einer ungünstigen Behandlung? Oder hat der Fehlbiß vor vielen Jahren bereits eine ungünstige Gelenkentwicklung angeschoben, die jetzt voll zum Tragen kommt? Oder bestehen zwei weitestgehend voneinander unabhängige Problemstellungen?
Diese komplexen Fragen sind sicher nur im persönlichen Gespräch, vielleicht auch mit entsprechenden zusätzlichen Untersuchungen der Gelenke, sinnvoll zu klären. Meist läßt sich sehr gut eine individuelle Lösung finden.
Alles Gute aus Ludwigshafen
Ihr
Dr. Weber

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