Bei Engstand Zähne ziehen, Kieferorthopädie oder nichts tun?

Frage von Frau A.L.:

Bei mir wurden vor ca. 20 Jahren (wie oben bei ihnen beschrieben) vier bleibende Zähne gezogen, da mein Kiefer zu klein ist. Eine Folgebehandlung mit Brackets lehnte ich damals ab und lebe nun bisher problemlos mit meinen schiefen Zähnen.
Jetzt hat meine Tochter im Oberkiefer das gleiche Probelem. Da heutzutage die Kosten nicht mehr von der Krankenkasse übernommen werden interessiert uns nun der ungefähre Kostenramen,der auf uns zu kommt.
Es freut mich,dass keine bleibenden Zähne mehr gezogen werden,aber Frage:
Ist das Problem nur mit einer Festen Spange zu lösen, oder ginge auch eine lose?
Was passiert,wenn gar nicht behandelt wird?
mit herzlichem Dank und freundlichen Grüssen
A.L.

Antwort Dr. Weber

Sehr geehrte Frau L.
Grundsätzlich sind alle Behandlungsmaßnahmen nur Werkzeuge zum erreichen eines ( gemeinsamen ) Zieles. Zu den Maßnahmen gehören die Apparaturen, das Zähneziehen aber auch das Belassen einer Situation.
Das bedeutet einerseits im Sinne von „geht nicht gibts nicht“, daß meist sowohl lose als auch feste Apparaturen denkbar sind.
Entsprechend Ihrer Frage ist jedoch der Aufwand immer gegen den Nutzen abzuwägen. Bei einem kleinen Engstand kann dann eine feste Zahnspange vielleicht als übertrieben angesehen werden. Bei einem starken Engstand wäre eine lose Apparatur viel zu langsam und eine Behandlung würde vielleicht viel zu lange dauern.
Auch „nichts tuen“ kann als aktives Handeln gesehen werden. Die dabei anfallenden „Kosten“ liegen in den von Ihnen nachgefragten Risiken bei belassen des Engstandes. Diese Risiken hängen enorm von der persönlichen Situation und Begleitbefunden ab, sodass ich ohne Betrachtung und Befragung Ihrer Tochter zu der individuellen Situation hier leider nichts sagen kann.
Allgemein gesprochen ergibt sich ein breites Potpurri aus Schadensmöglichkeiten: schiefe, engstehende Zähne, die schlecht zu reinigen sind bergen die Gefahr mittel- bis langfristig verloren zu gehen; aufgrund von Engstand nicht durchbrechende Zähne (sogenannte Verlagerung oder Retention) können zu flüßigkeitsgefüllten Hohlräumen im Knochen führen (Zysten); ein zu enger Oberkiefer ist meist auch ein kleiner Nasenboden, daher sind kleine Kiefer auch der Grund für Atemaussetzer (Apnoen) und Schnarchen.
Ich kann Ihnen nur empfehlen Ihre Tochter anschauen zu lassen. Bei Engständen gibt es durchaus auch Zuschüsse der Krankenkassen.

Viele Grüße
Ihr
Dr. Joachim Weber

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