Lohnt eine Zusatzversicherung für Zahnspangen und Kieferorthopädie?

Frage von Frau C.M.:

Hallo Herr Dr. Weber,

heute war ich mit meinem Sohn (10 Jahre) beim Kieferorthopäden und er soll eine lose Spange vorerst erhalten.
Meine Tochter (12 Jahre) hat im Juni einen Termin bei Kieferorthopäden und ich nehme stark an das auch sie eine Spange bekommen wird. Nun können Sie sich vorstellen das man sehr unsicher ist was die Kosten angeht. Mein Mann sagt wir sollten eine Zahnzusatzversicherung abschließen. Der Arzt bei dem ich war rät mir allerdings absolut ab, er sagt das lohnt sich nicht und man hat sehr lange Verhandlungen bis man dann vielleicht mal Geld bekommt. Nun bin ich erst recht verunsichert und weiß gar nicht mehr was sinnvoll ist. Zahnzusatzversicherung oder nicht? Was übernimmt die Kasse? Wenn ich ehrlich bin habe ich ein wenig Panik was da auf uns zu kommt an Kosten und das wir diese nicht leisten können. Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen.

Liebe Grüße sendet

C.M.

Antwort Dr. Weber:

Sehr geehrte Frau Müller,
in der Tat sind die Zusatzversicherungen mit Vorsicht zu genießen: manche leisten nur, wenn auch die gesetzliche Krankenversicherung Anteile übernimmt (was eben nicht immer der Fall ist). Andere Tarife zahlen gerade nur dann, wenn die gesetzliche Krankenkasse eben gar nichts übernimmt (was sogar bei Schmerzpatienten der Fall sein kann).
Hinzu kommt, dass es manchmal Wartezeiten bis zum Leistungsanspruch gibt und manche Tarife nur prozentuale Anteile tragen. Es ist wie immer bei Versicherungen: ein echter Dschungel.

Ich empfehle meinen Patienten meist, nur dann eine Versicherung abzuschließen, wenn weitere Leistungen gewünscht sind, wie „Chefarzt im Krankenhaus“ oder „Zweibettzimmer“ oder ähnliches. Ansonsten bleibt es ein Rechenexempel: wie viele Monate Beitrag muß ich zahlen bei welchem Zuschuß und bei welcher Höhe der Behandlungskosten. In diese Kalkulation kann man gegebenenfalls auch noch einrechnen, dass man selbst zu tragende Gesundheitskosten steuerlich geltend machen darf.

Oft ist es in der Tat so, dass die kieferorthopädische Behandlung etwa gleich liegt, wie die Versicherungsraten plus Eigenbehalte. Grundsätzlich liegen die Leistungen der gesetzlichen Krankenkasse seit 2003 unter den Vorgaben der wissenschaftlichen Gesellschaften.

Wegen Ihrer nachvollziehbaren Sorgen bezüglich der Kosten, würde ich den behandelnden Arzt offen ansprechen. Meist findet sich ein gangbarer Weg. So bieten viele Kollegen, wie auch wir, wissenschaftlich geforderte Zusatzleistungen über Ratenzahlungen zu finanzieren.

Viele Grüße
Ihr
Dr. Joachim Weber

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