Welche Nachsorge ist bei Herbstapparaturen erforderlich?

Frage von Frau K. L.:

Meine Tocher Lea (jetzt 18 J.) hat nach 27 Mon. ihre feste Zahnspange entfernt bekommen. Zwischenzeitl. hatte sie für 1 Jahr
ein Herbst-Schanier. Sie soll jetzt noch den ganzen Tag eine lose Zahnspange oben tragen und unten wurden die Zähne innen mit einem Draht fixiert.
Lea selbst hat nun festgestellt, dass ihr Ober- und Unterkiefer nicht aufeinander beißen, auch unser Zahnarzt hat dies erstaunt festgestellt.
Wir wollten uns dies jetzt vom Kieferorthopäden erklären lassen, wieso zw. Ober- u. Unterkiefer so ein Abstand ist. Seine Antwort lautete, dass die Behandlung noch lange nicht abgeschlossen ist nur weil die Brackts ab sind und dass sich Ober- u. Unterkiefer noch milimetergenauk aufeinander zu bewegen.
Ich hoffe, Sie können mir diese Aussage bestätigen, sonst wäre die Behandlung ja nicht korrekt verlaufen.
Vielen Dank im Voraus.

Antwort Dr. Weber:

Sehr geehrte Frau L.,
Ihre Tochter müßte gemäß meiner Rechnung zu Beginn der Behandlung Ende 15 / Anfang 16 gewesen sein. Damit ist sie für ein Mädchen schon sehr weit in der Entwicklung der knöchernen Strukturen gewesen. Die Herbstapparatur ist damit eine letzte Möglichkeit die Einstellung des Unterkiefers noch orthopädisch zu bewerkstelligen. Ein anderer Weg ist die Einstellung mittels kieferchirurgischem Vorgehen.
Die wissenschaftlichen Gesellschaften empfehlen daher weltweit eine Überprüfung des Bisses bis spätestens zum 7. Lebensjahr, um funktionelle Einstellungen möglichst früh umzusetzen.
Dennoch besteht auch für junge Erwachsene bis Anfang / Mitte 20 noch die CHANCE der Unterkiefereinstellung mittels Zahnspangen. Bitte vergessen Sie jedoch nie den berühmten Zusatz der „Risiken und Nebenwirkungen“. Der gilt an dieser Stelle ganz ausdrücklich. Insbesondere Vorschädigungen des Knochens, der Kiefergelenke und der Kopfmuskulatur nach 16 Jahren Fehlbiss gilt es abzuklären. Eine Garantie für einen Behandlungserfolg kann es nie geben.
Sollte Ihre Tochter das Ziel jedoch erreichen, wofür ich Ihnen wirklich alle Daumen drücke, achten Sie bitte auf eine lange Nachsorge. Ein Klebedraht an den Frontzähnen reicht meines erachtens hierzu nicht aus. Wir verwenden bei schwierigen Situationen den von uns entwickelten Bitainer (R).

Viel Erfolg und viele Grüße
Ihr
Dr. Joachim Weber

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